Ermöglicht die Facebook-AGB das Verdrängen von konkurierenden FB-Apps?
Ich habe mich heute ein bisschen mit der Facebook-API auseinandergesetzt und mir als verantwortungsvoller Entwickler auch die Entwickler-AGB von Facebook angesehen. Dabei sind mir verschiedene Punkte aufgefallen, die es Facebook in letzter Instanz ermöglichen, gut laufende Applikationen von der Plattform zu verdrängen und eigene ähnliche Angebote zu etablieren.
Eine kleine Geschichte
Nehmen wir zum Beispiel an, ich betreibe eine Applikation, die es den Facebook-Nutzern ermöglicht, einen virtuellen Bauernhof zu hegen und zu pflegen. Meine App ist so erfolgreich, dass eine große Anzahl von Facebook-Nutzern daran gefallen findet. Schon bald komme ich auf die Idee, spezielle Items für bares Geld zu verkaufen. Da ich das Spiel so angelegt habe, dass viele Abläufe meiner virtuellen Bauern ohne die speziellen Items unerträglich lange dauern und der Mensch im Allgemeinen eher ungeduldig ist, verdiene ich mir schon bald eine goldene Nase. Dies läuft eine ganze Weile gut.
Irgendwann stellt Facebook fest, dass der Werbemarkt erschöpft ist und um mehr Umsatz zu generieren neue Ideen von Nöten sind. Allerdings will Mark und Co. nichts neues mehr einfallen. Also wird sich auf der eigenen Plattform nach gut laufenden Konzepten umgeschaut. Dabei stolpern die Späher über meinen virtuellen Bauernhof und entscheiden sich, ein eigenes Bauernhofspiel zu etablieren.
Nun würde ich als erstes darauf hoffen, ein Urheberrecht auf die Idee des virtuellen Bauernhofes zu besitzen und Facebook das Kopieren meiner Idee verbieten zu können. Aber selbst wenn das so wäre, hat Facebook in seinen Entwickler-AGB mit Punkt 19 bereits vorgesorgt:
9.19 Wir können Anwendungen erstellen, die über ähnliche Funktionen und Dienstleistungen wie deine Anwendung verfügen oder anderweitig mit deiner Anwendung konkurrieren
Ok, sage ich mir. Dann kann ich eben Facebook nicht daran hindern eine eigene App aufzuziehen. Meine App ist schon sehr weit entwickelt und basiert auf einer soliden Softwarebasis. Diesen Vorsprung einzuholen dürfte für Facebook einiges an Anstrengung abverlangen. Dies ist auch Facebook bewusst und es entschließt sich die Entwicklungsarbeit zu beschleunigen und auf Punkt 17. und 18. der Dev-AGB zurück zu greifen:
9.17 Wir können deine Anwendung, Inhalte und Daten zu jeglichem Zweck, einschließlich kommerziellen Zwecken (wie die Bereitstellung von Werbung für bestimmte Zielgruppen und die Indexierung von Inhalten für die Suche), analysieren.
9.18. Um zu gewährleisten, dass deine Anwendung sicher für die Nutzer ist, können wir sie überprüfen.
Darüber bekommen sie Zugriff auf die Funktionsweise meiner Applikation und unter Umständen auch auf meinen Quellcode. Es erlaubt ihnen nicht meinen Quellcode weiter zu verwenden. Allerdings reicht es manchmal auch aus zu wissen, wie verschiedene Abläufe umgesetzt wurden oder welche Algorithmen zum Einsatz kommen, um die Entwicklung zu beschleunigen.
Also steht schon bald eine Konkurrenz-Applikation zur Verfügung, welche rein softwaretechnisch den selben Umfang bietet wie meine eigene. Allerdings will die Bauernhof-App von Facebook nicht so richtig in Gang kommen. Die Community hat keine Lust einen zweiten Bauernhof zu gründen und noch einmal von vorne mit dem Ackern anzufangen. Nun muss Facebook noch auf Punkt 14. seiner Dev-AGB zurückgreifen:
9.14 Wir garantieren nicht, dass die Facebook-Plattform stets kostenlos sein wird
Als erstes bekomme ich einen Brief, in welchem darauf hingewiesen wird, dass meine Applikation sehr viel Traffic verursacht und aus diesem Grund die Nutzung in Zukunft nicht mehr kostenfrei ermöglicht werden kann. Im ersten Schritt wird mir dafür nun eine Nutzungsgebühr abverlangt. Aufgrund der nun anfallenden Facebook-Gebühren bin ich gezwungen mehr Umsatz mit meinem Bauernhof zu generieren, da sonst das Gold an meiner Nase wieder abbröckeln wird. Daraufhin fangen die ersten Nutzer an zu murren und sich einen Wechsel zum Facebook-Bauernhof zu überlegen. Dennoch bleiben mir die meisten Nutzer treu.
Die Treue meiner Nutzer ist Facebook natürlich ein Dorn im Auge. Die eigene App soll möglichst schnell wachsen und jede Minute die ein Nutzer auf meinem Bauernhof verbringt ist ein verlorene Minuten auf dem Facebook-Bauernhof. Sehr beliebt bei meinen Nutzern ist die Möglichkeit untereinander Geschenke zu verschicken und Nachrichten über kleine Schildchen auf dem Bauernhof auszutauschen. Meine App verwendet dafür die Facebook-Api um diese Vorgänge auch innerhalb der persönlichen Facebook-Seite anzuzeigen. Um die Attraktivität meiner Seite zu schmälern greift Facebook zu guter Letzt auf Punkt 2.9 der Dev-AGB zurück:
9.2.9 Wir können deinen Zugriff auf Daten einschränken
Mir wird es nun nicht mehr erlaubt, Nachrichten auf die Facebook-Pinnwand zu posten oder das Meldesystem für Anwendungen auf Facebook zu nutzen. Damit ist ein wichtiges Feature meiner App verloren gegangen und immer mehr Nutzer wandern zum konkurrierenden Facebook-Bauernhof ab.
Und nun?
Dies ist natürlich nur ein fiktiver Fall und mir ist klar das im Grund Facebook kein Interesse daran haben dürfte große Unternehmen wie Zynga durch solch eine Strategie zu verstimmen. Des weiteren vermute ich, dass Zynga schon längst Gebühren an FB zahlen dürfte.
Allerdings hat in meinen Augen Facebook eine Menge Rechte, die es ihm ermöglicht mit Facebook-Apps beliebig und willkürlich umzuspringen. In wieweit diese AGB’s rechtens sind, wird wohl erst vor einem Gericht entschieden werden können. Gerade Punkt 19 im Zusammenhang mit patentrechtlich geschützten Anwendungsideen hat für mich sehr hohes Konfliktpotential.
Hier noch der Link zu den AGB von Facebook: